Präsi erleidet zweiten Wutausbruch in Folge
Die Humboldt-Universität sorgt sich um ihren Präsidenten. Nachdem er auf verschiedenen Dienstreisen mit ungewissen Zielen, aber sicherer finanzieller Absicherung aus dem Haushalt der Universität, verschiedentlich untergetaucht und in Hebron nur durch das beherzte Eingreifen der israelischen Armee vor einer Steinigung durch radikale Siedler bewahrt werden konnte, während zur gleichen Zeit in Berlin der polnische Staatspräsident von alles andere als heterosexuellen Studierenden ein gar unexzellenter Empfang bereitet wurde, nachdem sich wegen der langen Rückfahrten vom zur Entspannung aufgesuchten Urlaubsort im bescheidenen Dienstwagen der Erholungswert der Reise gleich wieder verflüchtigte und auch die Stunde des Päsidenten eben nur eine Stunde ist und in dieser Zeit kaum genügend Schlaf auf der Präsidialcouch nachgeholt werden kann, um die zur Erstellung des Exzellensantrages erlittenen Strapazen und Entbehrungen auszugleichen, die er im Angstschweiß seiner Schäfchen auf dem Weinberg des Herren geleistet hat, um die Humboldt-Universität, seine geliebten alma mater berolinensis, als deren papa familias er sich versteht – jetzt, wo er seine Übermutter abgestoßen hat, dem Paradies des Bundesgeldregens ein segensreiches Stückchen näher zu bringen, hat er immer wieder den Undank und die Einsamkeit zu spüren bekommen, die ihm aus den unliebsamen Gremien, jenen ineffektiven Reformbremsen und argwöhnischen Kontrollfreakausschüssen, entgegenschlugen. Wer würde vor dieser Anstrengung nicht kapitulieren?! Nicht so der Humboldt-Präsident (TM). Er kümmert sich; undzwar um alles, am besten persönlich. Nur was er anfasst wird endlich gut. Da gibt es viel zu tun und die unerfahren "Häschen", wie die Assistenten und Assistentinnen im Stab des Präsidenten von den MitarbeiterInnen der Vizepräsidenten genannt werden, können da auch nicht sehr behilflich sein. Er hats nicht leicht, der Präsident mit so viel nutzloser Schönheit um sich herum, aber er strahlt immerhin. Doch auch ein Präsident will in seiner ganzen Arbeit nicht nur von den Menschen geliebt werden, die dafür bezahlt werden. Es sind seine Schäfchen, die ihm am Herzen liegen und nach deren Liebe ihn dürstet. Doch all die Mühe scheint vergebens. Er lässt sie unbekümmert grasen auf den ausgedorrten Weiden das spärliche Gras, während er sich in ewigen Jagdgründe um saftige Weiden bemüht, und sie danken es ihm mit protestierendem und unzufriedenem Geblöke. Sie wollen selbst bestimmen, wo es langgeht. "Aber ich bitte Sie, hat denn schon mal jemand gesehen, dass Schafe Handel um die besten Weiden treiben? Das ist absurd und versaut das Geschäft!", sagts, grinzt und handelt im besten Wissen und Gewissen, trennt schwarze von weißen Schafen, schert die verfilzten und streicht die jungen in saftigem rosa. So wird er schon die Meisterschaft im Leistungshüten gewinnen, glaubt er zu wissen. Wenn nicht, ja wenn nicht dauernd die blöden Schafe an ihrem Hirten zweifeln würden. Das ist aber auch zum Mäusemelken. "Wahnsinn sag ich Ihnen, das reinste Kamikazeunternehmen. Da wollen sie plötzlich die Scher- und Schlachtpläne haben – was soll das denn werden? Wenn das bekannt wird, das ganze Konzept? Das geht die ganze schöne Arbeit den Bach hinunter. Und da soll man sich nicht aufregen oder was?! Entweder die Herde funktioniert oder ich suche mir eben eine neue. Ich habe in gehört in Oxford sei das Kühehüten besonders rentabel."
So kam es, dass der Präsident seinen ersten Wutanfall bekam. Das war im Kuratorium, das er immer als warmherziges Beratungsorgan zu schätzen wusste, dass ihm nun aber auf dem Leibe rückte und plötzlich seine verfassungsmäßige Aufgabe als Aufsichtsorgan des Präsidiums entdeckte. Als der Präsident seinen jährlichen Bericht im Konzil nicht gewürdigt sah, beschloss er, es abzuschaffen. Als er Probleme mit den Kommissionen des Akademischen Senats bekam, weil er sich in Selbstverwaltungsangelegenheiten eingemischt und in die Ressorts seiner VizepräsidentInnen hineindirigiert hatte, da beschloss er, sie abzuschaffen. Am besten die Vizepräsidentin und die Fachkommissionen gemeinsam. Das bringt schließlich Punkte im Leistungshüten und lenkt nicht vom Fettwerden ab. Als aber daraufhin die Lämmer den Aufstand probten und ihm vorwarfen, er würde die Universität in eine Präsidialdiktatur (über)führen, da bekam er seinen zweiten Wutanfall. Was sie denn von ihm glauben würden, regte er sich auf. "Gemeinsam!", hatte er doch gesagt, sollte die Krise der Universität überwunden werden. "Gemeinsam!", hatte er versichert, sollten ausstehende Reformen angepackt werden etc. Keine Anhnung wie, aber: "Gemeinsam!" Also, was denken sie von ihm? Bloß weil er schreibt gegenüber den Oberen, er werde die Unteren abschaffen, habe er das doch längst nicht vor, das wollen die Oberen nur lesen. Die Unteren sollen das bloß nicht glauben, überhaupt glauben sei eine Sache, da habe er mehr Ahnung, da solle man schon ihm alleine trauen. Er sei doch ihr Präsident, ihr Santo Padre. Er würde doch nicht sie, sondern nur die anderen täuschen. Nicht das CHE, sondern Humboldt sei sein Bekenntnis, nicht Wettbewerb, sondern Wettstreit sein Credo. Und schließlich seien doch alle sooooooooo wichtig für das Gelingen seiner Mission... "usw.–"
Da beruhigten sich die aufgeschreckten Lämmer. Beruhigten auch ihren Präsidenten. Er solle sich nicht aufregen, das sei wahrlich alles nur ein Missverständnis. Sie seien aufgehetzt worden gegen ihn. Verführt gar zur Kritik. Doch sie hätten erkannt, so versicherten die Lämmer ihrem Hirten, dass Geschlossenheit das Gebot der Stunde sei. Nur beteiligt werden, wollen sie an den weiteren Plänen, damit diese auch richtig gut werden. Natürlich nicht im großen Kreis – das wäre ja beängstigend und nicht zu kontrollieren. Ein kleiner Kreis der Klügeren unter ihnen, die den Hirten beraten, genüge völlig. Es sollten bloß nicht immer nur die Hütehunde sein, die diese Rolle übernehmen. Sie wollten auch mal mitspielen beim Hüten.
So kam es, dass sich der Präsident wieder beruhigen konnte, zufrieden die Kaiser-Wilhelm-Amtskette um seinen Hals streichelte, seinen "Häschen" zuzwinkerte und sich nach anstrengendem Tag auf seine Couch zurücklegte. Derweil gefällt sich die Humboldt-Universität in ihrer alten Exzellenz – und seis ihr Untergang.
So kam es, dass der Präsident seinen ersten Wutanfall bekam. Das war im Kuratorium, das er immer als warmherziges Beratungsorgan zu schätzen wusste, dass ihm nun aber auf dem Leibe rückte und plötzlich seine verfassungsmäßige Aufgabe als Aufsichtsorgan des Präsidiums entdeckte. Als der Präsident seinen jährlichen Bericht im Konzil nicht gewürdigt sah, beschloss er, es abzuschaffen. Als er Probleme mit den Kommissionen des Akademischen Senats bekam, weil er sich in Selbstverwaltungsangelegenheiten eingemischt und in die Ressorts seiner VizepräsidentInnen hineindirigiert hatte, da beschloss er, sie abzuschaffen. Am besten die Vizepräsidentin und die Fachkommissionen gemeinsam. Das bringt schließlich Punkte im Leistungshüten und lenkt nicht vom Fettwerden ab. Als aber daraufhin die Lämmer den Aufstand probten und ihm vorwarfen, er würde die Universität in eine Präsidialdiktatur (über)führen, da bekam er seinen zweiten Wutanfall. Was sie denn von ihm glauben würden, regte er sich auf. "Gemeinsam!", hatte er doch gesagt, sollte die Krise der Universität überwunden werden. "Gemeinsam!", hatte er versichert, sollten ausstehende Reformen angepackt werden etc. Keine Anhnung wie, aber: "Gemeinsam!" Also, was denken sie von ihm? Bloß weil er schreibt gegenüber den Oberen, er werde die Unteren abschaffen, habe er das doch längst nicht vor, das wollen die Oberen nur lesen. Die Unteren sollen das bloß nicht glauben, überhaupt glauben sei eine Sache, da habe er mehr Ahnung, da solle man schon ihm alleine trauen. Er sei doch ihr Präsident, ihr Santo Padre. Er würde doch nicht sie, sondern nur die anderen täuschen. Nicht das CHE, sondern Humboldt sei sein Bekenntnis, nicht Wettbewerb, sondern Wettstreit sein Credo. Und schließlich seien doch alle sooooooooo wichtig für das Gelingen seiner Mission... "usw.–"
Da beruhigten sich die aufgeschreckten Lämmer. Beruhigten auch ihren Präsidenten. Er solle sich nicht aufregen, das sei wahrlich alles nur ein Missverständnis. Sie seien aufgehetzt worden gegen ihn. Verführt gar zur Kritik. Doch sie hätten erkannt, so versicherten die Lämmer ihrem Hirten, dass Geschlossenheit das Gebot der Stunde sei. Nur beteiligt werden, wollen sie an den weiteren Plänen, damit diese auch richtig gut werden. Natürlich nicht im großen Kreis – das wäre ja beängstigend und nicht zu kontrollieren. Ein kleiner Kreis der Klügeren unter ihnen, die den Hirten beraten, genüge völlig. Es sollten bloß nicht immer nur die Hütehunde sein, die diese Rolle übernehmen. Sie wollten auch mal mitspielen beim Hüten.
So kam es, dass sich der Präsident wieder beruhigen konnte, zufrieden die Kaiser-Wilhelm-Amtskette um seinen Hals streichelte, seinen "Häschen" zuzwinkerte und sich nach anstrengendem Tag auf seine Couch zurücklegte. Derweil gefällt sich die Humboldt-Universität in ihrer alten Exzellenz – und seis ihr Untergang.
1 Comments:
Sehr amüsant und auch noch so wahr...
Aber: "Palästinensische Befreiungskämpfer"...?!
Seriously?! Seriously!!!
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