Dienstag, November 06, 2007

Neue Struktur für das IAAW?

Mutmaßungen über die Hintergründe eines Konzeptes

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Material:

  1. Das Schaubild zum Konzept
  2. Brief an die Mitglieder des Akademischen Senates

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Wie bereits berichtet, hat die Universitätsleitung den Mitgliedern des Institutsrats und dem Professorium des Instituts für Asien- und Afrikawissenschaften (IAAW) am 17.10. ein Konzept zur Neustrukturierung unterbreitet, das zuvor von einer Arbeitsgruppe entwickelt worden war. Am kommenden Dienstag, 13.11., wird der Institutsrat tagen und sich erneut mit dieser Strukturplanung befassen. Die Tagesordnung weist zwei TOPs in diesem Zusammenhang aus: TOP 7 Strukturbeschluß des Präsidiums, erwartet wird der amtierende Vizepräsident für Forschung, Prof. Linscheid, sowie TOP 9 zur Ausschreibung einer Professur in den Südasienwissenschaften. Man darf vermuten, daß eine Diskussion des Konzepts im Institutsrat nicht wirklich vorgesehen ist, vielmehr soll umgehend zur Tat geschritten werden. Daß sich am IAAW viele Menschen Gedanken um die Zukunft ihres Instituts machen und machten, ist sicher richtig, allein in die Arbeitsgruppe einbringen konnten diese Gedanken nicht so viele. Nach allem, was zu hören war, gehörte von Institutsseite lediglich die stellvertretende Institutsdirektorin, Frau Prof. Baldauf, der Arbeitsgruppe an (in Vertretung des mit exzellenten Anträgen beschäftigten Direktors Prof. Houben).


Was hat es nun mit dem Konzept auf sich? Am IAAW kursiert momentan lediglich ein als Anlage 4 bezeichnetes Schaubild, das auf der Infoveranstaltung am 17.10. verteilt worden ist. Es weist drei Säulen – Afrika, Zentralasien und Südostasien – mit je zwei oder drei Professuren sowie drei übergreifende Profilbereiche mit je einer Professur bzw. Juniorprofessur aus. An der Säule Südostasien klebt noch ein „Ankreis“ mit einer weiteren Professur. Der Bereich Ostasien mit zwei Professuren ist als abseits stehende Säule losgelöst vom Rest.


Daß ein Konzept Fragen aufwirft, ist sicher nicht das Schlechteste, was man sagen kann. Immerhin verlangen Fragen notgedrungen nach Antworten und stellen so Kommunikation her. Schlimmer ist, daß das Schaubild bereits Antworten gibt, die nichts Gutes ahnen lassen. Es kann sicher nicht die dahinterstehenden Strukturüberlegungen völlig erklären, aber dafür enthüllt es um so deutlicher, was der leitende Gedanke gewesen sein mag: Es ist eine ziemlich exakte Abbildung der gegenwärtigen personellen Struktur. Soll heißen, all der Querelen von StelleninhaberInnen, die es bis heute nicht geschafft haben, eine gemeinsame Identität als Institut auszuprägen. Mit dem gemeinsamen Bachelorstudiengang schien eine gewisse Einigung erreicht worden hin zu modern ausgerichteten Regionalstudien. In der Realität wollen aber nach wie vor einige nicht mit den anderen spielen – und folgerichtig finden sich die besonders hart gesottenen Individualisten in separaten Säulen oder als Ankreis wieder. Um das zu erkennen, muß man nicht mal dem Institut angehören. Der Bereich Ostasien umfaßte in den 90ern einmal sechs Professuren – geblieben sind die letzten beiden noch besetzten Professuren, nicht zuletzt deshalb, weil die Stelleninhaber selbst bei der Berufung neuer Kollegen quer schlugen. Sie sollen nun in ein abseits gestelltes Zentrum verfrachtet werden und man darf gespannt sein, ob dessen Haltbarkeit die Altersgrenze der Stelleninhaber übersteigt. Der Ankreis der südostasiatischen Philologie bleibt immerhin noch im Institut integriert, gehört aber nicht mehr richtig zur Säule Südostasien. Noch Fragen? Herr Bauer ist offensichtlich ebensowenig wie die Herren Kracht und Reiter gewillt, eine gemeinsame Institutsentwicklung zu unterstützen. Und so ist es dann nötig, eine zweite Professur in den Bereich Südostasien zu schieben (so wie es der Strukturplan mit der Philologie schon jetzt vorsieht), die aber eben nicht die zweite, sondern die dritte wäre. Wie günstig, daß die vakante Professur für Geschichte und Gesellschaft Südasiens noch immer nicht besetzt ist und nun mal eben so umdeklariert werden kann. Die zweite Professur, die Südasien zugeordnet ist, nennt sich offiziell „Islamwissenschaft des nichtarabischen Raums“. Da die Stelle besetzt ist und (noch) nicht so einfach verschoben werden kann, gibt es nun quer über alle Säulen reichende Profilprofessuren. Das kann inhaltlich alles heißen und „Profil“ klingt immer gut, fast so gut wie „Exzellenz“.


Keine Frage, daß es wichtig ist, die verschiedenen Regionen nicht nur mit Einzelprofessuren auszustatten – genau dieses Prinzip verfolgt aber bereits der gegenwärtig gültige Hochschulstrukturplan von 2004, der in allen Regionen, auch Südasien, mindestens zwei Professuren vorsieht sowie weitere Juniorprofessuren zur Stützung.


Statt auf dieser Grundlage, auf der auch der übergreifende Bachelorstudiengang aufbaut, die Institutsstruktur weiterzuentwickeln, wurden vakante Professuren verschleppt und damit die betroffenen Regionen, vor allem Südasien, deutlich geschwächt. Zur Erinnerung: Die Professur „Geschichte und Gesellschaft Südasiens“ ist bereits seit 2005 vakant. Die EPK sollte am 15.2.2006 (!) eine Vorlage zur Ausschreibung beraten. Die Vorlage wurde seitdem von der Universitätsleitung zurückgehalten, weil es Klärungsbedarf gäbe. Dies betrifft auch eine weitere Professur, nämlich die Juniorprofessur „Transformationsprozesse in Südostasien“. Ohne Zweifel ist die im Hochschulstrukturplan festgehaltene Struktur des IAAW nicht der Weisheit letzter Schluß. Warum aber brauchte es anderthalb Jahre, in denen die betroffenen Bereiche vakant bleiben mußten? Finanzielle Gründe waren es jedenfalls nicht, wie Herr Linscheid im Tagesspiegel vom 1.11. behauptete.


Ohne Zweifel wird das Gesamtkonzept, das zu dem Schaubild gehört, eine Menge schöne Worte finden. Spätestens seit HochschullehrerInnen ihre Forschung ganz überwiegend aus Drittmitteln finanzieren müssen, gehört das geschickte Verfassen von Antragsprosa zu den Grundqualifikationen. Die Lösung der personellen Probleme und eine Stärkung des Instituts als Gesamtheit dürfte es kaum leisten.

1 Comments:

Blogger Melitta Waligora said...

Liebe Anna,

herzlichen Dank für den erfrischend deutlichen Beitrag. Nur zwei kleine, aber entscheidende Korrekturen bitte: am 13.11. soll auf dem IR die Asuschreibung einer Professur für Modernes Südostasien beschlossen werden, die es allerdings laut Strukturplan gar nicht gibt. Die längst fällige Juniorprofessur heißt "Transformationsprozesse in Südasien".
Herzlichen Gruß - Melitta Waligora

10:52 AM  

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