Offener Brief - Indologie / Südasienkunde in Berlin
Den Präsidenten der Humboldt-Universität zu Berlin
Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Markschies
Berlin, den 12. November 2007
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Markschies,
Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Markschies
Berlin, den 12. November 2007
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Markschies,
in Hinblick auf die am kommenden Dienstag stattfindende Sitzung des Institutsrats der Asien- und Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität bitte ich Sie dringend, das kürzlich vorgestellte Konzept zur Struktur des Instituts nochmals zu überdenken und in der vorliegenden Form nicht zur Abstimmung vorzulegen.
Entsprechend diesem Konzept beabsichtigt das Präsidium der HU, den Bereich Südasien aus dem Bestand des Instituts für Asien- und Afrikawissenschaften (IAAW) zu streichen, obgleich laut gültiger Strukturplanung dieses Fachgebiet zu den standortexklusiven Lehr- und Forschungsangeboten der HU zählt. Die dem Bereich Südasien zugeordneten Stellen sollen auf andere Bereiche des IAAW aufgeteilt werden.
Nachdem bereits die FU die Aufgabe der Indologie beschlossen hat, bedeutet dieses Konzept das Aus für die Indologie und Südasienkunde an Berliner Universitäten.
Ohne an dieser Stelle auf die Bedeutung dieser Region im Kontext der historischen und gegenwärtigen Entwicklung Asiens, einschließlich Südost-, Zentral- und Ostasiens, eingehen zu wollen, mache ich nachdrücklich darauf aufmerksam, daß sich diese Entscheidung in Widerspruch befindet mit
- der Stellungnahme des Wissenschaftsrats zur Berliner Hochschulpolitik vom Jahr 2000, die eine Konzentration der Indologie/Südasienkunde an der HU empfiehlt,
- der Strukturplanung der Humboldt-Universität vom Juni 2004, die für den Bereich Südasien zwei W3- und eine Juniorprofessur vorsieht,
- dem "Gemeinsamen Papier der Berliner Universitäten zur Abstimmung der Strukturpläne" (2004), das im Rahmen einer Konzentration der Indologie/Südasienkunde an der HU die Übernahme des Faches Indologie der FU ankündigt und in dieser Form auch dem Berliner Abgeordnetenhaus (2005) vorgelegt wurde,
- den Ergebnissen der jüngsten Evaluation des IAAW aus dem Jahre 2006/2007, die eine zügige Neubesetzung der seit 2005 vakanten Südasien-Professuren empfiehlt.
Weiterhin mache ich darauf aufmerksam, daß entgegen anderslautenden Aussagen in der Presse keine haushaltstechnischen Gründe für diese Strukturänderungen verantwortlich gemacht werden können. Laut gültigem Stellenplan der HU sind alle Bereiche zufriedenstellend, d.h. mit mindestens zwei Professuren, ausgestattet. Dem Bereich Südasien kommen im Stellenplan zwei Professuren und eine Juniorprofessur zu.
Zwar ist ein darüber hinausgehender Ausbau eines Bereiches schon aufgrund des enormen Forschungsvolumens grundsätzlich zu begrüßen. Es sollte jedoch - auch im Interesse des gesamten Instituts - nicht hingenommen werden, daß dies auf Kosten eines nachweislich notwendigen und perspektivisch unverzichtbaren Forschungsgebiets geschieht. Die Erfahrung zeigt, daß derartige Entscheidungen nur selten wieder zu korrigieren sind und in der Regel einen Forschungsstandort auf lange Sicht weit zurückwerfen.
Die Indologie und Südasienkunde hat in Berlin nicht nur eine lange und überaus erfolgreiche Geschichte, sondern ist aufgrund ihrer vielfältigen Einbindung in die Aktivitäten anderer wissenschaftlicher Institutionen Berlins wie der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz mit ihrer einzigartigen Sammlung indischer Handschriften, des Museums für Asiatische Kunst mit der größten deutschen Sammlung indischer und zentralasiatischer Kunst, des Deutschen Archäologischen Instituts, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und des Zentrums Moderner Orient in besonderer Weise vernetzt. Eine Aufgabe dieses Faches an beiden Berliner Universitäten bedeutet mithin nicht nur einen schmerzlichen Verlust für die Lehre und Forschung an den Berliner Universitäten, sondern für die Wissenschaftslandschaft Berlin-Brandenburgs insgesamt.
Ich vertraue darauf, daß sich die Entscheidungsträger der HU ihrer besonderen Verantwortung für das Fachgebiet Indologie/Südasienkunde in Berlin bewußt sind und kommende Planungen entsprechend gestalten werden.
Zur näheren Information füge ich einen kurzen Aufsatz an, der die Berliner hochschulpolitischen Entscheidungen hinsichtlich der Indologie/Südasienkunde dokumentiert.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Dr. Ingo Strauch_
Zur Kenntnisnahme und weiteren Verwendung:
Der Vizepräsident für Forschung der HU, Herr Prof. Dr. Linscheid
Die Mitglieder des Konzils der HU
Die Mitglieder des Akademischen Senats der HU
Die Mitglieder der Entwicklungsplanungskommission (EPK)
Die Mitglieder des Kuratoriums der HU, über den Leiter der Geschäftsstelle Herrn Dr. Drzewiecki
Präsidium des StudentInnenparlaments der HU
Referat für Hochschulpolitik des StuPa
Der Dekan der Philosophischen Fakultät III, Herr Prof. Dr. Macho
Die Mitglieder des Fakultätsrats der Philosophischen Fakultät III
Der Direktor des Instituts für Asien- und Afrikawissenschaften, Herr Prof. Dr. Houben
Die Mitglieder des Institutsrats des IAAW
Fachschaft des IAAW der HU
Der Präsident der Freien Universität Berlin, Herr Prof. Dr. Lenzen
Die Vizepräsidentin, Frau Prof. Dr. Lehmkuhl
Der Dekan des Fachbereichs Geschichts- und Kulturwissenschaften, Herr Prof. Dr. Bonatz
Fachschaft des Instituts für die Sprachen und Kulturen Südasiens der FU
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Herr Klaus Wowereit
Der Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Herr Prof. Dr. Zöllner
Der Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, Herr Dr. Hans-Gerhard Husung
Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Dr. Schavan, MdB
Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Herr Prof. Dr. phil. h.c. Lehmann
Die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Frau Schneider-Kempf
Der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Herr Prof. Dr. Schuster
Der Direktor des Museums für Asiatische Kunst, Herr Prof. Dr. Veit
Der Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts, Herr Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Parzinger
Der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Herr Prof. Dr. Stock
Die Direktorin des Zentrums Moderner Orient, Frau Prof. Dr. Freitag
Der Leiter des Wissenschaftskollegs zu Berlin, Herr Prof. Dr. Guiliani
Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Herr Prof. Dr.-Ing. Kleiner
Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Herr Prof. Dr. Strohschneider
Der Generalsekretär des Wissenschaftsrates, Herr Min.-Dir. von Heyde
gez. Dr. Ingo Strauch_
Zur Kenntnisnahme und weiteren Verwendung:
Der Vizepräsident für Forschung der HU, Herr Prof. Dr. Linscheid
Die Mitglieder des Konzils der HU
Die Mitglieder des Akademischen Senats der HU
Die Mitglieder der Entwicklungsplanungskommission (EPK)
Die Mitglieder des Kuratoriums der HU, über den Leiter der Geschäftsstelle Herrn Dr. Drzewiecki
Präsidium des StudentInnenparlaments der HU
Referat für Hochschulpolitik des StuPa
Der Dekan der Philosophischen Fakultät III, Herr Prof. Dr. Macho
Die Mitglieder des Fakultätsrats der Philosophischen Fakultät III
Der Direktor des Instituts für Asien- und Afrikawissenschaften, Herr Prof. Dr. Houben
Die Mitglieder des Institutsrats des IAAW
Fachschaft des IAAW der HU
Der Präsident der Freien Universität Berlin, Herr Prof. Dr. Lenzen
Die Vizepräsidentin, Frau Prof. Dr. Lehmkuhl
Der Dekan des Fachbereichs Geschichts- und Kulturwissenschaften, Herr Prof. Dr. Bonatz
Fachschaft des Instituts für die Sprachen und Kulturen Südasiens der FU
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Herr Klaus Wowereit
Der Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Herr Prof. Dr. Zöllner
Der Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, Herr Dr. Hans-Gerhard Husung
Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Dr. Schavan, MdB
Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Herr Prof. Dr. phil. h.c. Lehmann
Die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Frau Schneider-Kempf
Der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Herr Prof. Dr. Schuster
Der Direktor des Museums für Asiatische Kunst, Herr Prof. Dr. Veit
Der Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts, Herr Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Parzinger
Der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Herr Prof. Dr. Stock
Die Direktorin des Zentrums Moderner Orient, Frau Prof. Dr. Freitag
Der Leiter des Wissenschaftskollegs zu Berlin, Herr Prof. Dr. Guiliani
Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Herr Prof. Dr.-Ing. Kleiner
Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Herr Prof. Dr. Strohschneider
Der Generalsekretär des Wissenschaftsrates, Herr Min.-Dir. von Heyde
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