What the fuck am I doing here?
Bericht über drei fast verschwendete Stunden meines jungen Lebens
Gestern hieß es wieder für unser unerschrockenes Häufchen Gremienstudis, das Wagnis Kommission für Lehre und Studium einzugehen.
Zum besseren Verständnis einiger der Vorgänge in diesem Gremium bietet sich ein kurzer historischer Exkurs an.
Vor einigen Monaten – das Sommersemester ging langsam seinem wohlverdienten Ende entgegen – gab es eine Wahl an dieser Uni. Gewählt wurden die Mitglieder des Konzils und damit auch die des akademischen Senats. Nachdem diese glänzend organisierte Wahl wieder den grandios demokratischen Anspruch dieser Uni untermauert hatte (wir berichteten unter anderem auf diesem Blog), hätten eigentlich die Kommissionen neu besetzt und danach neu konstituiert werden müssen. Darauf warten wir noch heute. Ausgerechnet unsere HochschullehrerInnen scheinen nicht in der Lage zu sein, Menschen zu finden, die in diesem Gremium mitarbeiten wollen und so führt noch immer die alte Kommisssion die Geschäfte weiter. Ist ja auch nicht so wichtig, schließlich ist die nächste Gremienwahl erst in zwei Jahren, also ist noch genug Zeit, nicht? Leider bedeutet dies, das die VertreterInnen, die von den anderen, schneller arbeitenden Statusgruppen entsand werden, bis zur Neukonstituierung kein Stimmrecht auf den Sitzungen haben. Montag erwischte es einen Vertreter der LHG, dem eröffnet wurde, dass er zwar gerne da sein durfte, aber leider nichts mitzubestimmen hatte. Life's a bitch, isn't it?
Wo wir gerade bei vergeudeter Lebenszeit sind, auch für den Rest von uns war diese Sitzung eher deprimierend.
Auf der Tagesordnung standen hauptsächlich zwei Punkte. Einmal der Masterstudiengang Public Policy, eingebracht von der juristischen Fakultät ud dann die zweite Lesung der Überarbeitung der Allgemeinen Satzung für Studien- und Prüfungsangelegenheiten (ASSP).
Der erste Punkt war schnell abgehandelt. Zwar hatte die juristische Fakultät einige grobe Schnitzer in den Ordnungen geändert, die auf der letzten Sitzung moniert worden waren, ab er das änderte natürlich nichts daran, dass wir keine Lust hatten, einen elitären Bezahlstudiengang für 18000 Euro durchzuwinken, so scheiterte der Antrag an uns. Es steht außer Frage, dass die juristische Fakultät ihr Anliegen jetzt vor den AS bringen wird, wo das Ding dank Profenmehrheit wohl durchgehen wird, aber immerhin haben wir folgende Stellungnahme der LSK beschließen können.
Stellungnahme der LSK zum weiterbildenden Masterstudiengang „Public Policy“
Wir lehnen die Einrichtung dieses Studienganges an der Humboldt-Universität aus folgenden Gründen ab:
Kostenpflichtige Studiengänge schließen grundsätzlich einen Teil von Studierwilligen vom Studium aus. Mit den Gebühren von 18 000 € werden breite Teile der Bevölkerung von diesem Studium und damit vom dort vermittelten Wissen ausgeschlossen.
Bei dem in diesem Studiengang vermittelten Wissen handelt es sich um die Befähigung zur Entwicklung und Durchsetzung von politischen Zielen innerhalb der Gesellschaft. Dieser Wissenserwerb wird nur einer Minderheit (die sich 18 000€ für eine zweijährige Ausbildung leisten kann) ermöglicht. Da es aber in einer demokratischen Gesellschaft jedem gleichberechtigt möglich sein sollte, politische Ziele zu entwickeln und durchzusetzen, sollte gerade dieses Wissen auch allgemein zugänglich sein. Der angemessene Ort für diese Wissensvermittlung ist also nicht ein mit vielen Exklusionsmechanismen versehener kostenpflichtiger weiterbildender Master-Studiengang, sondern ein allgemein zugänglicher Volkshochschulkurs.
Eine öffentliche Hochschule sollte sich ihrer Verantwortung für die demokratische Gesellschaft bewusst sein und einen solchen Studiengang nicht einmal mit ihrem Namen unterstützen.
Sie sollte sich dem öffentlichen Interesse der gesamten Bevölkerung an gleichberechtigter Teilhabe an Wissen und Herrschaft eher verpflichtet fühlen, als dem Service-Wunsch von Unternehmen und Lobbygruppen.
Von diesem Studiengang würde ausschließlich eine Elite profitieren, die hier zudem mit dem Wissen ausgestattet würden ihre eigenen Interessen besser und langfristiger zu „vertreten“. Andere bereits benachteiligte Gesellschaftsschichten werden durch die Gebühren von dem offensichtlich für demokratische Teilhabe notwendigen Wissen fern gehalten.
Wir lehnen die Einrichtung dieses Studienganges daher ab.
Nun zur ASSP. Wir waren wenig erstaunt, dass sich auch in diesem zweiten Entwurf unsere Änderungswünssche, die wir schon vor Monaten geäussert hatten, kaum wiederfanden.
Dann wurde begonnen, die Änderungen Stück für Stück zu diskutieren, wobei eine Entscheidungsfindung explizit ausgeklammert wurde. Ergo wurden vor allem eigentlich schon bekannte Positionen ausgetauscht.
Fertig geworden sind wir natürlich auch nicht.
Dann wurde uns zur Klärung der problematischen Stellen eine weitere Diskussion im kleinen Kreis angeboten, allerdings nicht beschlossen, mal schauen, ob es damit was wird.
Denn, wenn ich nicht mehr weiterweiß, gründ' ich einen Arbeitskreis. Es ist ja nicht so, als wenn wir das nicht schon mal gehabt hätten...
Sonstiges gab es nicht, außer natürlich der Hoffnung, dass wir uns in nicht allzuferner Zukunft mal neu konstituieren können. Wär doch mal was...
Labels: LSK, Master of Public Policy
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