Freitag, Oktober 31, 2008

AS allein auf weiter Flur

Ja liebe Leute,
 

letzten Dienstag durften wieder einige von uns im Senatssaal chillen...

 

Hier der locker-flockige Bericht zur locker-flockigen Sitzung von Konzil und AS.
 
Das Konzil begann mit der Ankündigung, dass außer unserem verehrten Herrn Präsidenten kein Schwein vom Präsidium (einige waren krank, anderen hatten besseres zu tun) da sei und auch der Präsi recht bald ein Flugzeug erreichen müsste.
 
Dann wurde der Vorstand des Konzils gewählt, völlig vorhersehbar und langweilig.

Danach sollte eigentlich unser Antrag zum Programm des Präsidiums kommen, leider hatten wir übersehen, dass TOPs auch einer Antragsfrist unterliegen. Macht aber angeblich nix, wir dürfen jetzt einen Antrag auf eine weitere Konzilssitzung im November stellen, dem dann hoffentlich auch stattgegeben wird.

Dann war das Konzil vorbei, der AS begann und unser lieber Bildungssenator Emil Jürgen Zöllner hatte seinen Gast-Star-Auftritt, um seine Einstein-Stiftung zu verkaufen.
Im bewährten Stile der realsozialistischen (Selbst-)Kritik wurde er erstmal von fast allen gelobt, bis dann die „Detailfragen“ kamen, die sich vor allem um Dinge wie „wer darf wann wo in welchem Gremium sitzen?“ drehten.
Professor Sauers Frage, wie denn mit Osttariflöhnen überhaupt „exzellente“ MitarbeiterInnen dazu gebracht werden könnten, in Berlin tätig zu werden, wurde dann mal geschickt falsch verstanden.
 
Dann kamen die Fragen von unserer Seite, auf die er dann sehr wenig in vielen Worten sagte und wieder das Stilmittel des absichtsvollen Missverstehens anwandte.
Aber immerhin hat er uns unverbindlich dazu eingeladen, mal mit ihm darüber zu diskutieren, was mensch denn nun so unter Demokratie verstünde. Wir merken, der Emil ist ein toller Hecht zum Anfassen. Oder so.
 
Fazit des Ganzen: Don't worry, be happy.
 
Immerhin konnten wir ihm die Äußerung abringen, dass er alles in seiner Macht stehende tun wolle, um die Finanzierung der Hochschulen a) nicht weiter zu beschneiden und b) vielleicht sogar noch auszubauen. Trotz Einstein-Stiftung.
 
Unsere Nachfragen zur Orgastruktur (ob denn zum Beispiel auch den FHs oder gar einigen (demokratisch legitimierten) Studis ein warmes Plätzchen im Aufsichtsrat (ja, das Ding heißt wirklich so) zugestanden würde, wurden dann leider von der Redeleitung mit dem Argument, wir „hätten uns dann wohl halt nicht deutlich genug gemeldet“ und einem Verweis auf die vorgerückte Stunde unter den Tisch fallen gelassen. 
 
Irgendwann um diese Zeit herum machte sich dann auch der Herr Präsident auf die Socken, so dass die Sitzungsleitung nun Herrn Coy anheimfiel.

Durch den taktischen Rückzug el Presidentes waren dann natürlich auch unsere Anfragen an das Präsidium einigermaßen sinnlos, es war ja niemand mehr da, der sie uns hätte beantworten können. Wir haben es uns aber nicht nehmen lassen,sie trotzdem zu Protokoll zu geben. Jetzt muss nur noch irgendjemand das Ding auch tatsächlich lesen.
 
Dann wurde schnell noch ein Antrag zur 'Bestätigung einer Satzung für den Betrieb gewerblicher Art (BgA) "Musik an der Humboldt-Universität"' durchgestimmt, obwohl eigentlich eine zweite Lesung vorgesehen war. Diesmal waren wir nicht die einzigen, die keine Lust hatten, das Ding jetzt schon auf den Weg zu bringen. Wir fanden es ein wenig seltsam, dass es zwar für studentische musikalische Projekte kaum Raum in der Uni gibt, aber jetzt auch noch eine gewerbliche Nutzung angepeilt wird. Eine diesbezügliche Nachfrage von unserer Seite wurde allerdings als nicht zur Sache gehörend abgebügelt. Allerdings bekamen wir von Coy den guten Ratschlag, dass sich immer irgendwo ein Weg fände, um an einen Probenraum zu kommen.
 
Es ist unheimlich toll, wenn mensch sich ernst genommen fühlen kann.
 
Es versteht sich von selbst, dass die Profenmehrheit der Argumentation der Rechtsstelle, dass es total dringend sei (wobei mensch sichjetztfragen könnte, warum an dieser Uni die total super-wichtigen Dinge generell immer kurz vor knapp auf die Tagesordnung kommen.), brav folgten und auf eine zweite Lesung verzichteten.
 
Die Sonder-Professur für Entwicklungsökonomie fanden wir jetzt nicht unbedingt so unproblematisch, schließlich haben wir es ja bekanntlich nicht so mit der kolonialen Denke, aber uns fragt ja keiner und so wurde beschlossen, das Ding einzurichten. 
 
Die Professur für Neue Materialien in der Physik war unkritisch, ebenso die für Kunstgeschichte Osteuropas.
 
Dann war da noch der nichtöffentliche Teil, in dem uns mal wieder eine Berufungsliste völlig ohne Frauen über den Weg lief. Unsere Nachfrage, ob das nicht auch durch eine extrem männlich dominierte Berufungskommission bedingt sein könnte, wurde geflissentlich übergangen. 

Die anderen Listen waren soweit OK, es hätte allerdings selbst uns, die dieser Uni ja mitlerweile fast alles zutrauen, sehr gewundert, wenn sich auf einer Berufungsliste für eine Stelle, die aus Mitteln der Frauenförderung bezahlt wird, ein Mann gefunden hätte...
 
Dann wurde noch schnell in einem nachträglich eingeschobenen Tagesordnungspunkt ein Doktor humoris causa verliehen.
Wie ehrenvoll der Empfänger es finden wird, mit solch Titanen des Geistes wie Wolli Biermann auf die gleiche Stufe gestellt zu werden, sei dahingestellt.

Unter dem Punkt sonstiges durften wir dann noch kurz zu Protokoll pöbeln, dass wir den riesigen Präsidiumsauflauf bei dieser Sitzung etwas peinlich fanden und dann war es auch schon vorbei.

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