Roma Locuta, causa finita
Master of Public Policy beschlossen und weitere Schmankerln aus dem Akademischen Senat
Anno Domini MMIX rief Gottes Stellvertreter an der HU, der weise Abt Christoph Markschies (Prof. Dr. Dr. hc. - soviel Zeit muss sein), wieder einmal seine Schäfchen zu sich in den Senatssaal, um sein Wort zu verkünden und ein wenig über dies und das zu reden.
Ein erster Geniestreich war die Tagesordnung, auf der der nichtöffentliche Teil so geschickt in den öffentlichen Teil eingeschoben war, dass eigentlich alle wirklich kontroversen Themen erst nach dem nichtöffentlichen Teil verhandelt wurden. Dies wurde damit begründet, dass die armen Dekane nicht so lange auf ihre Auftritte warten sollten. Dass dadurch das Publikum mitten in der Sitzung kurzerhand vor die Tür gesetzt wurde, um für etwa eine Stunde das berauschende Panorama des Treppenhauses zu genießen, war halt leider so. Ließ sich nicht ändern, Pech gehabt, das Leben ist halt einfach so.
Es spricht für das große Interesse des Publikums, dass im zweiten öffentlichen Teil trotzdem wieder einige Menschen in den Reihen platz nahmen. Dadurch konnten so strittige Punkte wie der Masterstudiengang Public Policy dann zum Leidwesen der Unileitung dann doch nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt werden.
Aber der Reihe nach.
Nach mehreren Anläufen wurde heute die Einrichtung, Zweckbestimmung und Freigabe der W1-Professur „Geschichte der Humanwissenschaften“ beschlossen. Weil diese Professur nicht im Strukturplan von 2004 vorgesehen ist, wurden in den letzten EPK-Sitzungen und im letzten AS Bedenken bezüglich der haushaltsmäßigen Auswirkungen geäußert. Dem Präsidenten gelang es am Ende jedoch, die Kontroverse als Kommunikationsproblem zu entflechten. Damit wird wieder einmal ein Einblick in die undemokratische Struktur der Universität möglich.
Dann kam schon das nichtöffentliche Zwischenspiel, sprich die Berufungslisten.
Es liegt in der Natur der Sache, dass wir hier nicht so wirklich viel zu schreiben dürfen, einige Kommentare zu einem Berufungsverfahren können und wollen wir uns aber nicht Verkneifen.
Eine namentlich bekannte, aber nicht nennbare Fakultät - nennen wir sie J – wollte eine Professur besetzen. Wie in dieser Fakultät üblich, landete auf der Berufungsliste wie durch ein Wunder ein Mann auf Platz eins. Das Interessante hier ist aber, dass ursprünglich eine Frau die Präferenz bekommen hatte, aber in Verlauf der Sitzungen der Berufungskommission immer schlechter bewertet wurde. Begründet wurde dies mit einer Richtungsentscheidung, die offensichtlich erst im Verlauf des Verfahrens getroffen wurde, so dass am Ende den Anforderungen nur noch der Mann wirklich entsprach.
Diese Form der Diskriminierung von Frauen ist an dieser Universität immer noch Realität und leider auch weit verbreitet. Die offene Benennung dieser Diskriminierung scheint aber niemanden aus der Fakultät wirklich gejuckt zu haben.
Kritische Einwände zum Verlauf des Verfahrens wurden mit dem Verweis auf die Autonomie der Fakultäten in der Profilbildung abgebügelt. Dies wurde dann auch als Begründung für die geschlossene Enthaltung aller externer Mitglieder der Berufungskommission zu dieser Frage genannt. Dieser Argumentationslinie sekundierte dann auch der Präsident. Nun stellt sich uns natürlich die Frage, warum wir dann überhaupt Berufungslisten und die Einrichtung von Professuren im Akademischen Senat verhandeln.
Immerhin wurde die Entscheidung über diese Berufungsliste noch einmal vertagt.
Nun zurück zum öffentlichen Teil.
Dem Akademischen Senat wurde der Jahresbericht 2008 der Humboldt Graduate School vorgelegt und zur Kenntnis genommen.
Da schon seit Gründung der Graduate School eine Evalution im Verlauf des Jahres 2009 vorgesehen ist, musste auch die Einrichtung einer Evaluationskommission beschlossen werden.
Hier gab es einige Änderungen des Beschlussentwurfes. Der ursprüngliche Entwurf sah je vier interne und externe Mitglieder vor. Um die verschiedenen Statusgruppen und vor allem auch die an der Humboldt Graduate School Promovierenden besser einzubinden, wurde dieses Verhältnis auf sechs interne und 2 externe geändert.
Wann diese Kommission mit welchen Mitgliedern tagen wird, will uns das Präsidium demnächst mal mitteilen.
Nun zum lang erwarteten Höhepunkt der Sitzung, der Beschlussfassung zum Master of Public Policy. Nachdem wir in der letzten Sitzung (siehe vorheriger Bericht auf diesem Blog) noch durch ein Statusgruppenveto der Studierenden die Entscheidung hierüber aufschieben und einen Vermittlungsausschuss erzwingen konnten, stand heute die endgültige Entscheidung an, da ein weiteres Veto durch uns nicht mehr möglich und durch eine andere Statusgruppe mehr als unwahrscheinlich war.
Im Vermittlungsausschuss konnte gestern auch nur noch einmal festgestellt werden, dass wir Studis einfach zu fundamentale Kritik an diesem Studiengang haben und so kam der alte Entwurf unverändert zur Abstimmung.
Der Präsident sprach zu Beginn des Tagesordnungspunktes in die Richtung der Studierenden, dass die Zeitungen eh schon alle Argumente veröffentlicht hätten und daher nichts mehr gesagt werden müsste. Er legte daraufhin derart einen Zahn zu, dass wir durch energisches Zwischenrufen auf unsere (eigentlich rechtzeitig erfolgte) Wortmeldung hinweisen mussten, um noch einmal unsere Position klarstellen zu können. Vizepräsident Nagel hatte die Lage so dargestellt, als ob wir uns mehr oder minder ausschließlich an der Gebührenpflicht störten.
Neben der grundsätzlichen Ablehnung jeglicher Studiengebühren kritisieren wir an diesem Master aber vor allem auch seinen Inhalt, da er in unseren Augen aus einem zutiefst undemokratischen Geist gespeist ist (siehe auch die Pressemitteilung des RefRats).
Die Zweckbestimmung und Freigabe zur Ausschreibung einer W3-Professur für Ostlawische Literaturen und Kulturen an der PhilFak II bekam dann unsere Zustimmung.
Bei der Einrichtung, Freigabe und Zweckbestimmung einer W2/W3-Professur für „Struktur Dynamik und elektronische Eigenschaften molekularer Systeme hatten wir auch nach längerer Diskussion noch einige haushaltsrechtliche Bedenken, so dass wir hier nicht zustimmten. Hier wird ganz klar auf die Strukturplanung 2010 vorgegriffen und dies nicht mal zu verheimlichen versucht. Relativ offensiv machten die Antragssteller deutlich, dass mit den neuen Hochschulverträgen die Ausstattung der Stelle auszubauen sei. Ihre Zuversicht ließ vermuten, dass die nötigen Absprachen dafür schon längst getroffen wurden.
Damit endete auch dieser AS und wir sind stolz sagen zu können: Wir leben immer noch!
Wir möchten uns hier noch einmal für die moralische Unterstützung durch einige unerschrockene Gäste bedanken, die sich selbst durch die Zwangspause auf dem Flur nicht abschrecken ließen.
Labels: Akademischer Senat, AS, Master of Public Policy
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