Dienstag, Juni 09, 2009

und sie bewegt sich doch!

Hochschulübergreifendes Studium in Berlin wieder möglich!
Studentische Anträge erfolgreich – weitere Verbesserungen des Studiums an der Humboldt-Universität beschlossen – endlich mal was Positives aus den Hochschulen


Ab sofort können Studierende in Berlin wieder Studienfächer an der Humboldt-Universität mit Fächern anderer Hochschulen kombinieren.
Mit dem Bologna-Prozess ist neben vielen weiteren Wahlfreiheiten auch die Kombinationsfreiheit in Berlin stark eingeschränkt worden. Seit der flächendeckenden Einführung des Bachelors 2004 ist es nicht mehr möglich Bei- und Nebenfächer in Bachelorkombinationsstudiengängen an anderen Hochschulen zu studieren.
Das soll sich nun ändern. Der Akademische Senat der Humboldt-Universität hat sich auf studentischen Antrag hin gestern in einem Beschluss einstimmig dafür ausgesprochen das hochschulübergreifende Studium wieder zu ermöglichen. Das Präsidium soll nun zeitnah mit den anderen Berliner und Brandenburgischen Hochschulen eine praktikable Lösung finden, die es Studierenden ermöglicht unkompliziert ihre Studienfächer aus dem gesamten Fächerangebot der Region zu kombinieren. Die Umsetzung einer solchen Regelung hängt aber natürlich von der Beteiligung der weiterer Hochschulen ab.

Allerdings ergibt sich aus dem erfolgreichen Antrag der Humboldt-Universität schon ab sofort eine Verbesserung der Situation. Es wurde eine Übergangsregelung beschlossen, die eine „großzügige“ Anwendung einer bisher vor allem theoretischen Ausnahmeregelung verlangt.
Die Universität Potsdam hatte bereits vor zwei Jahren eine Regelung beschlossen, die es Bachelor-Studierenden ermöglichen sollte ihre Studienfächer zwischen Berlin und Potsdam zu kombinieren. Leider konnte diese Regelung jedoch mangels Partnerhochschulen bisher nicht angewendet werden.
Ab sofort können nun Fächer zwischen der Humboldt-Universität und Potsdam kombiniert werden.
„Wir freuen uns sehr über diese Verbesserung und hoffen, dass sich noch weitere Hochschulen in Berlin und Brandenburg anschließen werden.“ so Lena Müller, Vertreterin der Offenen Linken im Akademischen Senat.

Die Studierenden stellten noch weitere Anträge zur gestern auf der Tagesordnung stehenden Änderung der Allgemeinen Satzung für Studien- und Prüfungsangelegenheiten (ASSP), um das Studium an der Humboldt-Universität erträglicher zu machen.
So wurden beispielsweise die Prüfungsanmelde- und Rücktrittsfristen einheitlich auf eine Woche bzw. drei Tage festgelegt. Von diesen Fristen können die Fakultätsräte im Einvernehmen mit den Studierenden abweichen. Dennoch wird hierdurch ein Standard gesetzt, der unsinnig früh endende Prüfungsanmeldefristen, wie beispielsweise mitten im Semester, ausschließt.
„Wir hoffen, dass die Fächer ihre Anmeldefristen nun im Interesse der Studierenden gestalten werden.“ erklärte Gerrit Aust vom Referat für Hochschulpolitik des ReferentInnenRates der Humboldt-Universität.

Außerdem wurde sinnvoller Weise beschlossen, dass Studierende, die sich in Gremien engagieren, nicht mehr um Erlaubnis bitten müssen, wenn sie für eine Sitzung von ihrer Lehrveranstaltung fern bleiben. Entgegen ursprünglicher Pläne wurde des weiteren die Anmeldefreiheit für Lehrveranstaltungen beibehalten. Und es wurde nun ausdrücklich ausgeschlossen, dass Studierende über ihre Studienordnung verpflichtet werden können Lehre für andere Studierende anzubieten und somit Hochschullehre zu übernehmen.
"Damit ist die Möglichkeit eines von uns befürchteten verpflichtenden Kaskadenmodells endlich vom Tisch. Unbezahlte Lehrleistungen von Studierenden bleiben freiwillig." ergänzte Lena Müller.

Trotz allem Erfolg hat die Offene Linke jedoch Kritik an einigen der nun durchgeführten Änderungen an der Allgemeinen Satzung zu Studien- und Prüfungsangelegenheiten. Schon seit langem kritisiert die Offene Linke die seit 2007 praktizierte Zwangsberatung mit Auflagen für Studierende, die die Regelstudienzeit überschritten haben. Diese Regelung wurde in der aktuellen Änderung auf mehr Studierende ausgeweitet.
Auch wurde eine Neuregelung zu Plagiaten beschlossen, die schon bei kleinen Zitierfehlern auf Handouts den Verlust eines ganzen Moduls, oder im Wiederholungsfall sogar die Exmatrikulation ermöglicht.
Daher gab es trotz der Verbesserungen keine Fürstimmen der Offenen Linken für die neue Allgemeine Satzung für Studien- und Prüfungsangelegenheiten.

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