Samstag, August 15, 2009

Platz ist in der kleinsten Hütte

Der Akademische Senat tagt im Raum 2103, weil der Senatssaal nach Ratschlag des großen el Presidente renoviert wird. Wir lernen: größere räumliche Nähe führt nicht zu einem besseren Miteinander. Aber zu mehr Wärme. Ein Kompetenz-Aufguss hätte unserer Akademischen Sauna streckenweise sicher gut getan.
Ach ja, Sachthemen gab es natürlich auch.


Beim Blick auf die Tagesordnung des AS fiel uns auf, dass der Ferienausschuss gar keine Entscheidung über den Hochschulvertrag fällen kann. Gerade das war aber vorgesehen. Na sowas.
Da der Abt sich von seiner harten Arbeit während der Vertragsverhandlungen erholen musste (er muss hart gearbeitet haben, sonst hätte er sich schließlich in die Verhandlungen einbringen können) und deshalb im wohlverdienten Urlaub war, kamen wir in den Genuss einer AS-Sitzung die zum größten Teil durch VPH Eveslage geleitet wurde.
Dem war es wohl auch zu verdanken, dass unser Einwand zur mangelnden Entscheidungskompetenz des Ferienausschusses nicht einfach übergangen, sondern ernst genommen wurde.
So wurde das Wunderwerk nur "billigend zur Kenntnis genommen" und kommt nach Ende der Ferien wieder auf die Tagesordnung.

Nun zum Inhalt des Vertrages. Mittlerweile haben auch die meisten Profen gemerkt, dass die Vertragssumme zwar höher ist als in den Jahren zuvor, die Mehrausgaben aber nicht im Geringsten abdeckt. Während einige Mitglieder des Senats noch hoffen, dass die anstehenden Tarifanpassungen vom Land mitgezahlt werden, fehlt uns irgendwie dieser Optimismus. Dem VPH übrigens auch. Deshalb freuen wir uns schon unbändig auf die neuen Verteilungskämpfe, pardon, Strukturplanungen.
Prof. Kulke fiel dann zum diesem Thema noch auf, dass wir ja auch irgendwie die c.a. 20 Exzellenzprofessuren durchfüttern müssen, wenn die Förderung demnächst ausläuft. Das Geld müssen wir halt woanders herholen.
Mit anderen Worten: die Uni ist immer noch genauso pleite wie vorher.
Also ich persönlich würde jetzt kein Slavistik-Studium mehr beginnen...

Dann kamen einige Studiengänge, die wir teils gut fanden, teils nicht. Wie immer halt.

Aaaaber dann kam nochmal richtig Freude auf. Im nichtöffentlichen Teil, weshalb wir uns hier leider vage halten müssen.

Was wir Euch sagen dürfen, dürfte aber reichen, um unsere Freude verständlich zu machen:

Es ging um die vorgezogene Berufung einer Frau auf einen Lehrstuhl, der im Jahr 2014 frei wird.
Finden wir ja grundsätzlich erstmal gut. In diesem Falle gibt es aber zwei (verschiedene) Knackpunkte.

Erstmal der finanzielle:

Die Professur wird erst ein halbes Jahr nach Ende der Förderung durch das Frauenförderungsprogramm des BMBF frei. Die Förderung des Landes endet sogar noch früher, nämlich drei Jahre vor Freiwerden des Lehrstuhls. Das dadurch fehlende Geld muss irgendwo herkommen, aber unser großer weiser Präsident hat beschieden, dass er schon noch einen Topf voll Gold am Ende des Regenbogens finden wird und falls das nicht klappt, einfach woanders gespart werden müsste. Fanden wir jetzt irgendwie nicht so gut. Schließlich dürfen Gelder im Haushalt nicht einfach so hin- und hergeschoben werden, weshalb das Geld aus Forschung und Lehre kommen muss. Nun hat aber gerade das Budget für Lehre eigentlich keine weiteren Polster oder Einsparungsmöglichkeiten mehr, mit Ausnahme der studentischen Projekttutorien, die wir aber eigentlich gerne erhalten würden...

Dann war da noch die andere Sache:

Es gab universitätsintern eine Bewerberin auf die Stelle, die sich angeboten hätte. Erstens vertritt sie den Prof, um dessen Nachfolge es geht, zur Zeit eh schon. Zweitens ist sie eine wirklich gute Wissenschaftlerin, die an dieser Uni einen völlig neuen Aspekt in ihr Fach eingebracht hat. Drittens ist sie eine positiv evaluierte Juniorprofessorin.
Es ist erklärte Hauspolitik der HU, positiv evaluierten Juniorprofessur_innen ein Tenure-Track-Verfahren anzubieten, wann immer es möglich ist. Im Fall dieser Bewerberin ist das bisher nicht passiert.
In anderen Worten: sie wäre ideal für diese Neubesetzung gewesen.

Aber daraus wird nichts. Auf der Berufungsliste standen drei andere Frauen. Angeblich fehle ihr der zweite Forschungsschwerpunkt, allerdings gibt es glaubhafte Aussagen durch Dritte, dass sie genau diesen zweiten geforderten Schwerpunkt seit Jahren hat.
Uns drängte sich der Eindruck auf, dass eine Frau, die Genderaspekte in ihrem Fach beleuchtet, der Uni keine volle Professur wert ist. Wäre ja auch mal was Neues gewesen.

Da der AS keine Entscheidungskompetenz bei der Zusammenstellung von Berufungslisten hat, konnten wir leider kein Veto einlegen und mussten uns damit begnügen, Gegen die Liste zu stimmen und nachher eine Erklärung zu Protokoll zu geben.

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1 Comments:

Blogger Unknown said...

Liebe Autorinnen und Autoren dieses Beitrags: Gewöhnlich nehme ich Ihren Ärger und Zorn über mein Agieren mit Humor - denn zu unterschiedlich sind offenbar unsere Vorstellungen über die Entwicklung unserer Universität und die Art, wie ein Präsident agieren sollte. Gewöhnlich lasse ich auch die hier zu lesenden fehlerhaften Behauptungen unkommentiert, weil ich sonst ja fast jede Mitteilung auf diesem Blog kommentieren müßte. Aber nun behaupten sie hier schon zum wiederholten Male, ich hätte mich in den Verhandlungen über den Hochschulvertrag nicht engagiert und nur die meine Vizepräsidenten verhandeln lassen. Wenn man in den beiden vergangenen Semestern und dazu in beiden Semesterferien diverse Termine beim Regierenden, beim Senator, beim Staatssekretär, mit den anderen Präsidenten der LKRP und in sonstigen weiteren Runden wahrgenommen hat, liest man solche Behauptungen mit wachsendem Unmut. Natürlich war ich nicht in jeder Verhandlungsrunde präsent - denn wir hatten verabredet, auch Arbeitsgruppen zu bilden und an der Arbeitsgruppe der Kanzler hat selbstverständlich Herr Eveslage teilgenommen - genauso haben es FU und TU gehalten. Bei Bedarf liefere ich Ihnen auch noch gern die Liste mit den ganzen Terminen nach, die Herr Eveslage und ich wahrgenommen haben. Freundliche Urlaubsgrüße Ihres Christoph Markschies

8:26 PM  

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