Dienstag, Februar 27, 2007

Mit Studiengebühren eine Umverteilung von unten nach oben verhindern?

Studie zu den Umverteilungswirkungen staatlicher Hochschulfinanzierung

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat eine Studie „Zu den Umverteilungswirkungen staatlicher Hochschulfinanzierung“ veröffentlicht:

„In Politik und Öffentlichkeit wird in jüngerer Zeit oft die These vertreten, die bisher in Deutschland übliche Finanzierung der Hochschulen aus Steuereinnahmen stelle als staatliche Subventionierung der Akademiker eine „Umverteilung von unten nach oben“ dar. Im Rahmen der Studiengebührendebatte wurde diese These in den letzten Jahren häufig als Argument für die Einführung von Studiengebühren verwendet.
Ziel der vorliegenden Darstellung ist es, dieses Argument kritisch zu beleuchten und zu überprüfen, inwieweit es aufgrund existierender bildungs-ökonomischer Studien als empirisch nachgewiesen betrachtet werden kann.
[...]
Im Ergebnis zeigt sich, dass auch in der Fachliteratur eine kontroverse Debatte vorherrscht. Unabhängig vom Berechnungsverfahren hängen die Ergebnisse fast immer sehr stark von den getroffenen Annahmen und den Details des methodischen Vorgehens ab. Die These einer regressiven Umverteilung der staatlichen Hochschulfinanzierung kann daher nicht als empirisch nachgewiesen betrachtet werden.“

Donnerstag, Februar 22, 2007

Leuchte mein Stern, leuchte

Die wahren Leuchttürme sind die aus Elfenbein

Wer in den aktuellen Debatten zur Exzellenzinitiative mitunter den Eindruck bekommt, die diskutierten Konzepte seien weniger am Bild einer modernen Universität als vielmehr an dem einer Universität des Mittelalters orientiert, der bzw. die irrt nur unwesentlich. Manchmal hilft es zu wissen, was die WortführerInnen beforschen, um zu erahnen, welch Geistes Kind sie sind.
Unser Präsident, Prof. Markschies, z.B. ist Kirchenhistoriker. Aber nicht irgendeiner. Ihm geht es um die Entstehung der ersten christlichen Kirchen im byzantinischen Reich. Nicht das kalte Mittelalter steht ihm Pate, sondern das leuchtende Byzanz. Sicher, beim Lesen der maßgeblich von ihm verantworteten Anträge und Vorschläge zur inneren Verfassung der Universität bekommt der/die LeserIn eher den Eindruck, es handle sich um die Verfassung des Weströmischen Reiches kurz vor dem Einfall der Ostgoten in Rom. So what? Über unseren Verhältnissen leben wir schon lange und auch die Realität sollte besser draußen bleiben. Nicht alles, was Wissenschaft ist, ist auch exzellent.
Andere Autoren in diesem Wettbewerbs hängen eher der Förderalismusidee an. So präsentiert Prof. Pernice, ein kampferprobter Veteran der Europäischen Idee und Dekan der Juristischen Fakultät, ein Zwei-Kammer-System mit starker Dekanehausmacht gegenüber dem Akademischen Senat als exzellentes Zukunftsbild.
Das schlimme ist nur, dass beide Vorschläge am Wesen der Exzellenz weit vorbeischrammen. Dieses orientiert sich nämlich weder an Byzanz noch an der Europäischen Gemeinschaft, sondern ist tatsächlich tief im Mittelalter stecken geblieben (zur etymologischen Bedeutung des Wortes Exzellenz siehe W. Röcke in: Rechtshistorisches Journal 20 (2001)). Spätestens seit gestern, sollte das selbst in der Bundesrepublik - natürlich auch bei Wissenschaftsrat und DFG - bekannt sein. Denn heute berichtete Jeanne Rubner in der Süddeutschen Zeitung über wahre Exzellenz am Beispiel des All Souls College in Oxford, wo sie "für Exzellenzinitiativen wie in Deutschland nur ein dezentes Schmunzeln" übrig haben. "Wenn Oxford Europas höchster Leuchtturm des Wissens ist," lesen wir dort: "dann ist All Souls so etwas wie das Leuchtfeuer."
Das Rezept? Ganz einfach: 220 Mio. Pfund statt Kameralistik. Rituale statt Vorschriften. Und vor allem: Keine StudentInnen! "All Souls - das ist die Elite der Elite. [...] Im kleinen Städtchen an der Themse pflegt man die Spitzenpositionen durch eine rigorose Auswahl der Besten unter den besten Studenten und Professoren, eine Auslese, die wohl jeden deutschen, an den Gleichheitsgedanken gewöhnten Bildungspolitiker erschaudern ließe. In All Souls gibt es keine Studenten, das ist eine Besonderheit, auch deshalb können Wissenschaftler sich auf das Denken konzentrieren."
Dafür leben sie eingepfercht in ihrem 600 Jahre währenden Tempel der nachscholastischen Wissenschaft. Essen zusammen, leben zusammen, sterben an Ort und Stelle zu gegebener Zeit. Immerhin für 90.000 Euro im Jahr. Welch Revolutionierung des Klosterwesens. - Wenn das mal kein Vorbild für einen Kirchenhistoriker ist.

Der vollständige Artikel findet sich hier >>

Montag, Februar 12, 2007

Wer die Wahl hat, …

Am kommenden Dienstag steht das Konzil vor der Aufgabe, eine Vizepräsidentin bzw. einen Vizepräsidenten mit dem Aufgabenbereich Lehre und Studium zu wählen. Es wird wohl kaum ein Konzilsmitglied geben, das sich dabei wohl fühlen wird in seiner Haut. Vorgeschlagen wurden vom Kuratorium drei Personen: zwei Frauen und ein Mann. Nun fällt es ohnehin schwer, Personen zu finden, die sich um dieses an deutschen Hochschulen nicht gerade hoch angesehene Ressort verdient gemacht hätten und dies auch weiterhin an der HU tun wollten. Wie schon zwei Jahre zuvor spielt jedoch in die Entscheidung ein besonderer Umstand hinein: Es gilt, ein komplett männlich besetztes Präsidium zu ergänzen – also möglichst mit einer Frau.
Nach der Anhörung im Konzil am letzten Dienstag und in kleineren Gesprächsgruppen der Statusgruppen mit den KandidatInnen wurde freilich klar, daß es damit nichts wird. Eine der Kandidatinnen glänzte gänzlich mit Abwesenheit und auch die zweite ließ die nötige Kenntnis im Ressort vermissen. Doch auch der Kandidat, Herr Matuschek aus Jena, ist wohl nur der Einäugige unter den Blinden. Immerhin hat er schon zwei Jahre Erfahrungen als Prorektor für Lehre und Studium an der FSU sammeln können, doch ob mit ihm das Ressort im Präsidium das nötige Gewicht bekommt, darf bezweifelt werden, zumal er sich als externer Bewerber zunächst erst in Berlin und an der HU neu orientieren und einarbeiten muß.
Wenn nun am 13.2. Herr Matuschek als Vizepräsident gewählt wird, dann nicht, weil er so ein überragender Kandidat ist, sondern vor allem, damit überhaupt jemand gewählt wird, weil die Mehrheit der Konzilsmitglieder eine gescheiterte Wahl scheut, wie der Teufel das Weihwasser. Gerade in Zeiten des Exzellenzwettbewerbs scheint eine solche „Blamage“ unerträglich. Schlimmer jedenfalls als die Symbolkraft eines rein männlichen Präsidiums. Doch bedarf es tatsächlich noch eines solchen Beweises, um zu demonstrieren, welchen Stellenwert Frauen an der HU haben? Man braucht sich nur in einer beliebigen AS-Sitzung anhören, in welcher Weise der Präsident die Frauenbeauftragte oder andere weibliche AS-Mitglieder abbürstet. Und die Tatsache, daß die jeweilige Vizepräsidentin in den letzten zehn Jahren stets den in der allgemeinen Wahrnehmung schwächsten Bereich vertrat, spricht eine ebenso deutliche Sprache. Glaubt man den an der Findung Beteiligten, so ist jedenfalls gegenwärtig keine kompetente Frau, die etwas auf sich hält, für dieses Amt zu gewinnen. Nach qualifizierten Männern ist wohl nicht weiter gesucht worden, aber vorangegangene Findungsverfahren lassen erahnen, daß ein Präsidiumsposten an der HU nicht eben zu den Traumjobs gehört.
Und so stellt sich die Frage, wenn denn diese Wahl doch scheitern würde und niemand die nötigen 31 Stimmen auf sich vereinen könnte, woher dann der weiße Ritter – geschweige denn eine „Ritterin“ – kommen sollte. Die Alternativen, die gelegentlich hinter vorgehaltener Hand angedeutet werden, zumal die hauseigenen, klingen wenig ritterlich.
Bleibt also – wie auch immer man sich entscheidet – nur das Prinzip Hoffnung: darauf, daß sich nach erfolgreicher Wahl ein Vizepräsident Matuschek als stärker erweist, als es den Anschein hat, oder aber darauf, daß es nach gescheiterter Wahl doch noch eineN RetterIn in der Not gibt.
Wer die Wahl hat, …

Donnerstag, Februar 08, 2007

Parteien lösen unsere Probleme nicht

Wahlen waren.

Das an sich ist nicht sehr spannend. Wahlen gibt es dauernd an jeder Ecke. Sei es für Straßennamen oder für den Vereinsvorstand. Auch an der HU wiederholt sich dieses Spektakel jedes Jahr im Januar oder Februar. Dann finden an der HU Wahlen zum StudentInnenparlament statt, dieses Jahr zum 15. mal.
Das Ergebnis ist auch nicht sehr spannend: es ändert sich nichts. Höchstens die Wahlbeteiligung kann als Fieberkurve gelten: je mehr sich die Köpfe streiten, desto höher ist die Wahlbeteiligung. Das war bei den Wahlen zum StuPa in den Jahren 1998 und 2004 ähnlich. Im jeweiligen Wintersemester machten die Studierenden ihren Unmut über die aktuelle Politik Luft, was sich in der Wahlbeteiligung der kurz darauf stattfindenden StuPa-Wahlen niederschlug.

Ein äusserst konstanter Wert bei den Wahlen ist das Vertrauen in parteinahe Listen*: es ist nur gering vorhanden. Seit 1998 haben es die parteinahen Listen in ihrer Gesamtheit durchschnittlich auf 23,7 Sitze gebracht. Von 60 Sitzen wohlgemerkt. Das Maxima war 2001 mit 29 Sitzen, das Minima 1998 mit 18 Sitzen. Aber da gab es die Demokratische Linke auch noch nicht.
Zumindestens die Studis die den Gang zur Urne schaffen, glauben damit wohl nicht, daß die Parteien unsere Probleme lösen.

Wen diese Zahlenspielchen nur am Rande interessieren: hier das vorläufige Ergebnis der gerade beendeten Wahl.

*parteinahe Listen meint: RCDS, Jusos, LHG, Grünboldt, Die Linke.Campus, Demokratische Linke
Die "Demokratische Linke" deswegen, weil ein grosser Teil der Liste in "Die Linke.Campus" aufgegangen ist.