Samstag, Januar 29, 2011

Peacig war gestern, Ihr Hippies!

Ein Bericht aus dem Akademischen Senat der Charité

Normalerweise ist der Medizin-AS nicht dafür bekannt, Ort kontroverser Debatten und langer Sitzungen zu sein. Eine übliche Sitzung ist nach etwa einer Stunde vorbei und selten sind die Beschlüsse mal nicht einstimmig. Vielleicht liegt das auch daran, dass die meisten Beteiligten freitags morgens um 8 noch nicht so konfliktbereit sind, keine Ahnung.
Auch diesmal sah es vorher eher gemütlich aus - eine Tagesordnung aus 6 Punkten, von denen zwei reine Formalien waren. Es sah so aus, als ob um 9 wieder Schluss wäre. Aber weit gefehlt!
Es gab zum ersten Mal seit Menschengedenken einen Medizin-AS mit über
einer Stunde Dauer und Dissens gabs auch.


Aber der Reihe nach:

Erster wichtiger Punkt war die Information über den Stand der
Strukturplanung.

Zusammenfassend lässt sich sagen: die Charité ist pleite. Der Aufsichtsrat hat eine Jahresplanung, die mit einem Minus abschließen würde, abgelehnt, deshalb ist erstmal Haushaltsvorbehalt und 18 Mille müssen eingespart werden. Können wir uns ja denken, wo. Die Fakultät wäre übrigens nicht verantwortlich für's Defizit. Letzten Monat wurde noch erklärt, dass es auch nicht an der Klinik liegt, also sind die Infrastruktur und das Facility Management schuld.

Bauvorhaben gibt es zur Zeit zwei neue, sowohl für das zu renovierende Bettenhochhaus als auch für die neu zu bauende Forschungsabteilung experimentelle Medizin (auch so 'ne Art Bettenhochhaus, nur für Nagetiere) wurde Geld für die Planung freigestellt. Ach ja, Frau Grüters-Kieslich verwehrt sich gegen die Bezeichnung des FeM als "Mäusebunker".
Im alten wurde übrigens eine "Belastung mit Mineralienstäuben" festgestellt, vulgo: in dem Ding steckt wohl mehr Asbest als im Palast der Republik.

Danach wurde es richtig lustig, die Charité gibt sich eine komplett neue Promotionsordnung. Ich hatte mir ja vor allem den akademischen Grad "PhD" dick angestrichen. Dazu brauchte ich aber gar nichts zu sagen, weil die zwei Ps von selber darauf kamen (ja, sie waren beide anwesend), dass da
vor kurzen doch was war mit dem PhD.

Der vorstellende Prof. meinte aber, dass dieser Grad nicht im BerlHG stünde, sei Wurst, sie würden schon seit Jahren PhDs verleien und das BerlHG würde ja eh geändert. Nun denn.
Dummerweise steht der PhD auch nicht im Entwurf zur BerlHG-Novelle.

Dann fiel Prof. Kleiber von der FU auf, dass in der Ordnung so Schmankerl stehen, wie dass die Forschungsergebnisse, die im Rahmen der Diss erbracht werden, erstmal den betreuenden Profen "gehören". Das geht eigentlich gar nicht, da es so noch einfacher für Profens ist, ihre eigenen
Promovend_innen zu plagiieren. Die Charité sieht die Gefahr aber genau anders herum, was wir bis zum Ende nicht verstanden haben...
Auch einige andere Formulierungen boten Grund zur Kritik, so dass die Vorlage nach über einer Stunde Diskussion nur unter Vorbehalt der Änderung angenommen wurde. Ich habe mich übrigens enthalten.

Danach war es auch schon fast vorbei und nicht mehr spannend.

Unser Minister-Präsident hat mich dann übrigens nicht in seinem Dienstwagen nach Mitte mitgenommen. Was das wohl für eine schlechte Öko-Bilanz ist...

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